Was ist Tantra?
Das Wort Tantra entstammt dem altindischen Sanskrit und heißt wörtlich: "Gewebe, Zusammenhang, Kontinuum". Tantra ist ein Übungsweg mit einer breitgefächerten Vielzahl an Methoden, Techniken und Ritualen. Frühe Spuren lassen sich bis in das siebte Jahrhundert n. Chr. zurückverfolgen. Um 1800 zählten viele Teile der indischen Bevölkerung zu tantrischen Kulten, auch solche aus dem Umfeld des reformierten Hinduismus der gebildeten Schichten. Das indische Tantra steht in Zusammenhang mit einer Vielzahl von Göttern, ist aber auch in anderen Schulen und Richtungen praktisch orientiert und hat eine ethnische Lebensführung im Mittelpunkt. Die Ziele sind unterschiedlich, deshalb sind Definitionen so schwer. Es gibt hinduistisches und buddhistisches Tantra, ebenso Tantra in Tibet, Nepal, Bhutan, Pakistan, Birma, Korea, Kambodscha, Indonesien, China, Japan, und in der Mongolei. Jedes Tantra ist verflochten mit verschiedenen Traditionen.
In den frühesten tantrischen Texten war es die Frau, die in die Rituale einführte, und alle organisierten tantrischen Gruppen wurden von Frauen geleitet. Trotzdem sind im reinsten Sinn tantrischer Sexualität Mann und Frau nicht nur gleich, sondern eins. Sie können einander belehren oder gemeinsam lernen.
Seit den Anfängen des 20. Jahrhunderts (und verstärkt seit den 70er Jahren) fand in Europa eine ständige Aneignung von Praktiken und Übungen statt, wie sie durch verschiedene tantrische und yogische Schulen Indiens gelehrt wurden. Dabei kam es auch zu Re-Importen des westlichen Tantras in die indische Kultur und von dort zurück nach Europa und in die USA. Angeführt von indischen Gurus wie zum Beispiel Bhagwan Shree Rajneesh („Osho“) oder Swami Muktananda.
Ziele im Tantra:
Ein Ziel ist die höchste menschliche Verwirklichung, die höchste Form der Liebe. Liebe bedeutet im tantrischen Sinne einfach: "Ich erkenne und akzeptiere Dein innerstes Wesen." Der Weg geht zur Wahrnehmung und sexuellen Lust, sexuelle Kontrolle und die Kanalisierung der sexuellen Kraft. Das Zentrum ist der Geist. Unsere Lust ist das, was der Geist als lustvoll erfährt. Tantra hat den Sinn, uns zu unserem eigenen Ursprung, den Wurzeln unserer Identität, zurückzubringen, kennt weder sexuelle Frustration noch Hemmungen. Die Sexualität wird in die ganze Person integriert. Dadurch kann Heilung auf der ganzen Ebene stattfinden. Energetische Prozesse werden ausgelöst, die die sexuelle Lust steigern, und die Wahrnehmung verfeinern.